Gruselmusik

Playlist: Grusel-Pop & Rock

von Florian Boberski (25.10.2021)

Sie glauben, nach Schauerlicher Klassik und Fürchterlicher Filmmusik kann Sie nichts mehr schrecken? Da haben Sie wohl recht, geht die Popularmusik doch meist mehr ins Unterhaltsame und versucht nicht allzu sehr zu verstören. Oft sind es die Hintergrundgeschichten, die uns Angst einjagen. Denn bereits das erste Lied der Playlist ist ein solcher Kandidat.

„Gloomy Sunday“ ist das musikgeschichtliche Pendant zu Goethes Werther. Allein das Hören der Originalversion „Szomorú vasárnap“ von Rezső Seress soll in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine Selbstmordwelle ausgelöst haben, weswegen es von vielen Radiosendern nicht gespielt wurde. Wir gehen auf Nummer sicher und bleiben deswegen bei der englischsprachigen Version von Billie Holiday

Wie klingt ein Crossover der Wilden Jagd, einer alten europäischen Sage von übernatürlichen Jägern, die über den Himmel jagen, mit dem Wilden Westen? Genauso wie im vielfach vertonten Western-Klassiker „(Ghost) Riders in the Sky“, im Original gesungen von Burl Ives und ursprünglich von Death Valley-Ranger Stan Jones geschrieben.

Ein wahrer Halloween-Klassiker ist „Monster Mash“ von Bobby „Boris“ Pickett aus dem Jahr 1962. Beginnend mit einer hörbaren Sarg-Öffnung und einem eigenen Tanz (an den damals durch James Brown populär gemachten "Mashed Potato-Tanz" angelehnt) wurde der Soft-Grusel-Swing-Song schnell zu einem Nummer-1-Hit in den USA! Ein eigener Tanz sollte genau 20 Jahre später auch den wohl größten Grusel-Popklassiker aller Zeiten zu seinem Erfolg führen...

Wir springen ins Jahr 1970, als die Welt oder zumindest ein Teil davon genug von den freundlichen Beatles zu haben schien und sich eine Gegenbewegung bildete. Der Song „Black Sabbath“ der gleichnamigen Band gilt als der Beginn des Heavy Metal-Zeitalters. Ein unheimliches Albumcover und ein umgedrehtes Kreuz waren genug, um eine ganz neue Szene zu bedienen und wachsen zu lassen.

Der Song „The Ripper“ von Judas Priest, das von keinem Geringeren als dem Serienkiller Jack the Ripper handelt, ist gespickt mit kleinen musikalischen Details wie angsterfüllten Schreien (...you’re in for a shock!) und der musikalischen-akzentuierten Darstellung der Messer-Attacke des Rippers (...I’ll attack!)... Das Lied ist quasi eine rockige Version des Bertolt Brecht-Klassikers Mackie Messer, der mit der Musik von Kurt Weill zum Welthit wurde.

Never turn your back on the ripper!

In „Hells Bells“ von AC/DC (aus Back in Black) hören wir Satan zu, der sich in Gewitterstürmen auf die Suche nach verlorenen Seelen macht, die er in die Hölle mitnehmen kann. Musikalisch jedenfalls sehr überzeugend umgesetzt!

Von „The Ripper“ und „Hells Bells“ ist es ein kurzer Weg zu „Halloween“ der 1984 in Hamburg gegründeten Band Helloween, die mit ihrem Power Metal ein ganzes Genre definierten!

Ein Ausflug in die Welt des Musicals führt uns zur Rocky Horror Show, wobei die Musik zu „Sweet Transvestite“ so nett ist, dass die Zuschauer sich in den noch recht konservativen Zeiten der 1970er Jahre nicht einmal vor dem singend-flirtenden Transvestiten gefürchtet haben werden.

Kommen wir zum wohl größten Grusel-Popsong aller Zeiten. Was soll „Thriller“ von Michael Jackson übertreffen? Hier stimmt einfach alles und das über 13 (!)- Minuten lange Video avancierte zum Meilenstein in der Geschichte der Musikvideos. Wolfsgeheul, aufwendige Grusel-Kostüme und Make-Up, ein gespenstischer Friedhof im Nebel der zahlreichen Nebelmaschinen, knarzende Türen, eine furchterregende Sprecherstimme, gesprochen von Horrordarsteller Vincent Price, und ein markerschütterndes Lachen am Schluss… der absolute Höhepunkt bleibt aber der grandios choreographierte Zombietanz, der auch heute noch gerne auf Partys dargeboten wird.

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In Deutschland kommt kaum etwas an die ausdrucksstarke Stimme von Rammstein-Frontsänger Till Lindemann heran, besonders wenn er in „Mein Teil“ mit einem Song über den ‚Kannibalen von Rotenburg‘ ein echtes Verbrechen besingt… Guten Appetit!

Der nächste Song entspringt dem Album Nightmare Revisited, neu arrangierte Songs von Pop- und Rockstars zum 15-jährigen Jubiläum von Tim Burtons Film The Nightmare before Christmas. „Kidnap the Sandy Claws“ von Korn ist eine herrlich schräg-schaurige Nummer, die dem Original (irgendwie) treu bleibt.

An Billie Eilishs Musik scheiden sich sowieso die Geister. Gemeinsam mit ihrem Bruder Finneas hat sie mit ihrem Debütalbum When We All Fall Asleep, Where Do We Go? den Grusel-Pop wiederbelebt. Besonders die Single-Auskopplung „Bury A Friend“ sorgt für subtiles Schauergefühl mit der Auseinandersetzung mit Albträumen und Klangelementen wie zerbrechendem Glas, auf das gestiegen wird...

Am Ende dieser Playlist werden die „Ghostbusters“ von Ray Parker Jr. hoffentlich alle hierdurch (unfreiwillig) erweckten Geister wieder vertreiben, so dass Sie nun beruhigt einschlafen können!

Bonustrack zum Selbersuchen: Wenn Sie in Zeiten von Marsbesiedelung und Sci-Fi ohne Ende die (irrationale?) Angst haben, von Marsmenschen angegriffen zu werden, hören Sie doch „Indian Love Call“ von Slim Whitman. Im Film Mars Attacks wirkt dieses Lied Wunder und Sie werden danach garantiert jegliche unheimliche Musik vergessen haben!


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