Lieder begleiten im Hornquintensatz

Zweistimmige Arrangements einfach selbst erfinden

von Laura Krämer (21.12.2023)

Ohne das gemeinsame Musizieren wäre die Weihnachtszeit nicht dieselbe! Nur was tun, wenn man kein geeignetes Arrangement parat hat? Musiktheorieprofessorin Laura Krämer stellt eine einfache Möglichkeit vor, selbst eine zweite Stimme zu komponieren oder zu improvisieren: den Hornquintensatz. Beispielhaft demonstriert sie ihn an „Deck the Halls“, und nach diversen Vorübungen kannst Du bei „Was soll das bedeuten“ Deinen ersten Hornquintensatz selbst ausprobieren. Viel Spaß!

Einstimmige Lieder spontan in mehrstimmige zu verwandeln, das hat eine lange Tradition. Schon im Mittelalter wollte man die Kirchenchoräle nicht immer nur einstimmig hören. Zunächst im Chorgesang praktiziert, wurde das Liedbegleiten später zur zentralen Anforderung für die Organisten. Bis heute werden Kirchenmusiker:innen darin ausgebildet und können dazu auch auf eine Menge hilfreiche Literatur zurückgreifen. Ein weiterer großer Bereich, in dem es Unterricht und Material zum improvisierten Liedbegleiten gibt, ist das schulpraktische Klavierspiel. Während es also in der Kirchen- und Schulmusik eine fortgesetzte Lehr- und Berufspraxis des Liederbegleitens am Klavier bzw. an der Orgel gibt, ist das spontane Erfinden von weiteren Stimmen zu einer gegebenen Melodie im Gesang oder am Melodieinstrument weitaus weniger verbreitet, und es mangelt an Lehrmaterialien.

Das illustrierte Heft „Weihnachtslieder selbst begleiten“, bei Stretta Music Viola-, Cello- und Querflöten-Duo erhältlich, ist ein Basis-Lehrgang für das Erfinden von Begleitstimmen am Melodieinstrument. Diese werden aus dem gegebenen Lied abgeleitet. Dabei gilt es bei den älteren, kontrapunktischen Techniken, bestimmte Intervalle unter den gegebenen Noten zu spielen. Bei anderen Techniken ist es wichtig, sich über die Tonleiterposition der Töne des Liedes klar zu werden und ihnen die Grundtöne der drei Hauptharmonien zuzuordnen. Beide Herangehensweisen kommen auch flexibel gemischt zur Anwendung und werden durch Anregungen zum Ausschmücken und Variieren ergänzt.

Das Heft ist für den Unterricht und das Musizieren im Lehrer-Schüler-Duett konzipiert. Die Oberstimme ist spieltechnisch an einigen wenigen Stellen etwas anspruchsvoller als die Begleitstimme. Die Improvisations- bzw. Kompositionstechniken werden kleinschrittig vermittelt; eine fachkundige Betreuung ist sinnvoll, auch wenn aufgeschlossene Autodidakt:innen ebenfalls profitieren können. Zielgruppe sind Musikpädagog:innen, die in ihren Unterricht Musiklehre, Improvisation/Komposition und Hörerziehung integrieren möchten.

Die erste Technik in dem Heft ist der Hornquintensatz. Auf eine kurze Kontextualisierung der Satztechnik folgt das Lied „Deck the Halls“ komplett im Hornquintensatz, um ein Gefühl für den Klang zu bekommen.

Hornquintensatz

Hörner konnten ursprünglich, bevor sie Ventile bekamen, nur die Naturtonreihe spielen. Die tieferen Töne lagen weiter auseinander, erst in höheren Lagen standen alle Töne der Tonleiter zur Verfügung. So entstand für zweistimmige Hornrufe eine charakteristische Unterstimme mit Sprüngen in der tiefen und Schritten in der hohen Lage.

Es folgen eine musiktheoretische Übersicht über die Satztechnik sowie Vorübungen in Tonleiterform. Die Tonleitern sind in drei Abschnitte aufgeteilt, die auf- und abwärts geübt werden, da in den Liedern auch eher Tonleiterabschnitte als ganze Tonleitern vorkommen. So können dieses Tonräume und ihre Begleitmuster wie Vokabeln einer tonalen Musiksprache verinnerlicht und später intuitiv angewendet werden.

Beim Hornquintensatz gehört zu jedem Tonleiterton ein bestimmtes Intervall in der Unterstimme.

Die meisten Töne werden mit der Terz begleitet. Der 1. Ton bekommt eine Sexte. Die Sexte und die Terz sind in vielen Stilen wichtige Intervalle für improvisierte Begleitungen. Der 2. Ton bekommt eine Quinte. An dieser Quinte erkennt man den Hornquintensatz. Beim 7. Ton hängt das Intervall davon ab, ob es danach abwärts oder aufwärts weitergeht. So verläuft die Linie der Unterstimme schöner.

Übung Hornquintensatz

Übe die Tonleiter in Dreitongruppen.

Finde die richtigen Intervalle in anderen Tonarten.

Besonders geeignet ist der Hornquintensatz für Stücke, bei denen die Tonfolge der Leitertöne 1-2-3 vorkommt. Dort kann man den Hornquintensatz an den Intervallen 6-5-3 sofort erkennen.

Den Abschluss dieses Einblicks soll der Lückentext zu „Was soll das bedeuten“ bieten. Versuche erst zunächst einmal selbst, die Noten zu finden, und gleiche sie danach mit der untenstehenden Lösung zum Aufklappen ab.

Alle Notenbeispiele als PDF zum Herunterladen und Ausdrucken

Lösung

Interessiert an mehr?

In „Weihnachtslieder selbst begleiten“ (erhältlich als PDF-Download) kann die neu erlernte Satztechnik anhand weiterer Liedern angewandt, das heißt komponiert oder improvisiert werden. Für den Hornquintensatz sind noch die Lieder „Es ist für uns eine Zeit angekommen“ und „Es wird scho glei dumpa“ als Lückentext abgedruckt, erst noch mit einigen Noten zum Einstieg, dann in der zweiten Stimme komplett blanko. Um den Einstieg zu erleichtern, stehen diese Lieder alle in derselben Tonart. Ab und zu werden nebenher Begriffe der Musiklehre anhand der Lieder, in denen sie relevant sind, eingeführt, zum Beispiel die Auftaktquarte bei „Es wird scho glei dumpa“.

Auf diese Weise lernen die Schüler:innen im Verlauf des Hefts auch einige Grundlagen der Musik-, insbesondere Harmonielehre. Die Harmonie-Phänomene sind hier konsequent aus der Ein- und Zweistimmigkeit hergeleitet, also als harmonische Implikationen von Skalentönen und als zweistimmig-intervallische Konstellationen.

Der Hornquintensatz ist nur eine von verschiedenen Möglichkeiten, einfach selbst eine zweite Stimme zu erfinden! Die Methodik ist für die verschiedenen Begleittechniken immer ähnlich, also stilistische Kontextualisierung, ein ausnotiertes Beispiel fürs Ins-Ohr-Bekommen, systematische Darstellung, Vorübungen in abschnittsweisen Tonleitern, Lückentexte und Anregungen zu verschiedenen Verfeinerungen und Kombinationen.

Weihnachtslieder selbst begleiten für...

L. Krämer et al.: Weihnachtslieder selbst begleiten

2 Violen

L. Krämer et al.: Weihnachtslieder selbst begleiten

2 Violoncelli

L. Krämer et al.: Weihnachtslieder selbst begleiten

2 Flöten

Prof. Dr. Laura Krämer

Laura Krämer studierte Musiktheorie, Italienisch und Musikwissenschaften in Berlin und promovierte 2012 in Heidelberg zur Musik Béla Bartóks.

Nach Lehrtätigkeiten in Berlin, Dresden, Halle und Leipzig unterrichtet sie seit 2015 an der HMTM Hannover Musiktheorie mit dem Schwerpunkt Methodik.

Im Rahmen des Fortbildungs- und Forschungsprojekts Improvisation – Solmisation – Partimento arbeitet sie an der Nutzung historischer Lehrmethoden für einen praktisch-improvisatorisch ausgelegten Musiktheorieunterricht.

Sie ist Autorin von u.a. den Lehrbüchern „Musik verstehen und erfinden“ und „Allgemeine Musiklehre“.

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